Dienstag, 17 November 2020 06:47

Anpassung des Begriffs der Werklieferung

Im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 hat die Finanzverwaltung den Begriff der Werklieferung im Umsatzsteueranwendungserlass angepasst.

Diese Neuregelungen gelten ab dem 01.01.2021. Umsatzsteueranwendungserlass (Abschnitt 3.8 Abs. 1 S. 1 UStAE).

Eine Werklieferung wurde bisher angenommen, wenn ein Unternehmer die Be- oder Verarbeitung eines Gegenstandes übernommen und hierbei Hauptstoffe verwendet hat (also nicht nur ausschließlich Nebenstoffe). Dabei ist es irrelevant gewesen, in wessen Besitz (Leistungserbringer oder Leistungsempfänger) der Gegenstand zum Zeitpunkt der Be- oder Verarbeitung war. Somit wurden Leistungen, in denen der Leistende selbstbeschaffte Hauptstoffe an Gegenständen des Empfängers oder an eigenen Gegenständen – allerdings für den Empfänger – montiert hat, bisher als Werklieferung eingestuft.

Nach der bisherigen Auffassung sind z. B. Lieferungen, in denen der Leistende Einzelteile anliefert und diese zu einer Maschine bei dem Kunden montiert, ohne dass der Kunde Gegenstände bereitstellt, als Werklieferung anzusehen.

Durch die Neuregelung liegt eine Werklieferung nun ausschließlich dann vor, wenn die Be- oder Verarbeitung eines nicht dem Leistenden gehörenden Gegenstandes erfolgt. Eine Be- oder Verarbeitung ausschließlich eigener Gegenstände des Leistenden ist somit keine Werklieferung. Durch die Neuregelung der Definition der Werklieferung ist in Fällen, in denen der Leistungsempfänger keine Gegenstände zur Verarbeitung bereitstellt, nicht von einer Werklieferung, sondern von einer Montagelieferung auszugehen.

Nach der Auffassung des BMF können somit z. B. Buchbinderarbeiten als Bearbeitung von nicht dem Leistenden gehörenden Gegenständen angesehen werden.

In der Praxis sind also Fälle, in denen der Leistende eigene bewegliche Gegenstände für den Auftraggeber be- bzw. verarbeitet, nicht (mehr) als Werkleistung einzustufen. Auswirkungen hat diese Neuregelung insbesondere auf die Vereinfachung im Rahmen der sog. Umkehr der Steuerschuld gem. § 13b Abs. 2 Nr. 1 i. V. m. Abs. 5 S. 1 UStG. Diese tritt grundsätzlich in Fällen ein, in denen ein im Ausland ansässiger Unternehmer eine Werklieferung an einen im Inland ansässigen Unternehmer erbringt. Infolgedessen schuldet der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer, die aus diesem Geschäft resultiert, kann diese aber gleichzeitig als Vorsteuer zurückfordern (§ 13b Abs. 1 Nr. 4 UStG). Diese Vereinfachung kann bei Montagelieferungen allerdings nicht in Anspruch genommen werden.

Sollten Sie hinsichtlich dessen Fragen haben, stehen Ihnen Ihre Ansprechpartner aus der audalis-Steuerfachabteilung selbstverständlich zur Verfügung.