Altersvorsorge - Teil 2 und 3

Lebens-/Rentenversicherung

Im ersten Teil haben wir die Besteuerung von Renten-/Lebensversicherungen für Verträge dargestellt, die vor dem 01.01.2005 abgeschlossen worden sind. Im Folgenden zeigen wir die steuerlichen Konsequenzen bei Verträgen auf, die ab dem 01.01.2005 geschlossen wurden. Es ergeben sich signifikante Unterschiede:

Verträge ab dem 01.01.2005 mit Kapitalwahlrecht:
In der Einzahlungsphase gilt: Die Beitragszahlungen können steuerlich nicht mehr geltend gemacht werden.

Bei Auszahlung der Versicherungsleistung in einem Betrag wird die Hälfte des Ertrags (= Differenz zwischen Einzahlungsbeträgen und Auszahlungsbeträgen) der Einkommensteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. zzgl. Kirchensteuer unterworfen. Voraussetzung dafür ist, dass der Vertrag eine Laufzeit von mind. 12 Jahren aufweist und die Auszahlung frühestens nach vollendetem 60. Lebensjahr bzw. für Verträge ab 01.01.2012 nach vollendetem 62. Lebensjahr erfolgt sowie für Verträge ab 2009 eine Mindesttodesfallabsicherung vereinbart worden ist. Liegen die vorgenannten Voraussetzungen nicht vor, fallen auf den gesamten Ertrag Steuern an.

Wird dagegen die Verrentung gewählt, erfolgt steuerlich eine Gleichstellung mit Verträgen ohne Kapitalwahlrecht (s. u.).

Verträge ab dem 01.01.2005 ohne Kapitalwahlrecht:
In der Einzahlungsphase können die Beitragszahlungen als Sonderausgaben abgesetzt werden, wenn der Lebensversicherungsvertrag ausschließlich die Zahlung einer monatlichen lebenslangen Leibrente, die nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres ausgezahlt wird, oder die ergänzende Absicherung des Eintritts der Berufsunfähigkeit, der verminderten Erwerbsfähigkeit oder die Absicherung von Hinterbliebenen, vorsieht.

Liegen die o. g. Voraussetzungen nicht vor, sind die Zahlungen an den Versicherer nicht als Sonderausgabe abziehbar.

Die Auszahlung dieser Rente ist mit einem Ertragsanteil, der abhängig vom Alter des Versicherungsnehmers zum Zeitpunkt des Rentenbeginns ist, einkommensteuerpflichtig.

Beispiel:
A (65 Jahre, durchschnittlicher Steuersatz 30 %) bekommt im Jahr 2017 seine Lebensversicherung (Abschluss 2005, Laufzeit 12 Jahre, 12 Jahre Einzahlung à 5.000 € im Jahr) mit einem Barwert von 100.000 € ausgezahlt. Alternativ wird ihm einmalig das Kapital von 100.000 € ausgezahlt oder die Versicherung zahlt ihm eine lebenslange Rente von 500 € im Monat.

Lösung:
Welche Alternative A wählen sollte, hängt sowohl von seiner persönlichen Situation (Lebenserwartung, Gesundheitszustand) als auch von der steuerlichen Situation (Steuersatz, Höhe der übrigen Einkünfte u. a.) ab. Die hier simulierte Vergleichsrechnung ergäbe folgendes Bild:

Die Einmalauszahlung der Rente führt bei A zu folgenden Steuern:

Auszahlungsbetrag:                             100.000 €
Beiträge:                                              60.000 €
Unterschiedsbetrag:                              40.000 €
Davon ½:                                              20.000 €
Steuern 30 % (Annahme):                         6.000 €
Nettoverbleib bei Sofortauszahlung:   94.000 €

Die Auszahlung als Rente führt bei A zu folgenden Steuern:
Jährlicher Betrag der Auszahlung:                          6.000 €
Ertragsanteil in 2017 lt. Tabelle zu § 22 EStG:              74%
Steuern 30 % (Annahme) gerundet:                         1.332 €
Jährlicher Nettoverbleib:                                    4.668 €

Hinweis: Die vorstehenden Rechenbeispiele sind lediglich beispielhaft und beruhen auf Annahmen der Verfasser. Die konkrete Ermittlung der steuerlichen Auswirkungen im individuellen Einzelfall kann natürlich nur auf der Grundlage realer Werte erfolgen.

Teil 3: Steuerliche Behandlung von privaten Lebens-/ Rentenversicherungen
Zum Abschluss unserer Reihe der steuerlichen Handhabung von privaten Lebens-/Rentenversicherungen wollen wir Ihnen die Modelle der Rürup- und Riesterrente näher skizzieren.

Riesterrente
Einzahlungsphase:
Der Aufbau einer Riesterrente wird vom Staat mit Zulagen und ggf. darüber hinaus mit Steuervorteilen in Form des Sonderausgabenabzugs gefördert. Dies ist aber abhängig vom Familienstand.

Förderberechtigt sind alle Personen, die von der Absenkung des Nettorentenniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2002 betroffen sind.

Nicht förderberechtigt sind Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke sowie nicht pflichtversicherte Selbständige oder freiwillig Versicherte. Aber auch hier gibt es über Umwege Begünstigungen (Versicherung über den förderbegünstigten Ehepartner).

Der Anspruch auf die volle Förderung ist von mehreren Voraussetzungen abhängig. So muss unter anderem ein Mindesteigenbeitrag geleistet werden, der 4 % vom Bruttoeinkommen des Vorjahres beträgt. Werden geringere Beiträge gezahlt, werden die Zulagen entsprechend gekürzt.

Auszahlungsphase:
Die steuerliche Behandlung in der Auszahlungsphase hängt davon ab, ob es sich um einen Vertrag mit vollständiger Förderung, ohne Förderung oder mit teilweiser Förderung handelt.

Bei vollständiger Förderung unterliegen die Leistungen in vollständiger Höhe der Besteuerung.

Bei der Riesterrente ohne Förderung ist darauf abzustellen, wie sie nach den allgemeinen Vorschriften zu besteuern wäre. Dies richtet sich nach dem Abschlussdatum des Vertrags. Für Verträge ab dem 01.01.2005 ist in der Regel der Unterschiedsbetrag zwischen Versicherungsleistung und geleisteten Beiträgen zu versteuern, unter bestimmten Voraussetzungen auch nur die Hälfte dieses Differenzbetrags (vgl. Teil 2 unserer Reihe).

Verträge vor dem 01.01.2005 werden entsprechend den Ausführungen im ersten Teil der Reihe besteuert, d. h. bei einer Kapitalauszahlung ist der gesamte Betrag (unter den genannten Voraussetzungen) steuerfrei, die Verrentung wird mit dem sog. Ertragsanteil versteuert.

Bei teilweiser Förderung der Riesterrente ist eine entsprechende Aufteilung nach den darge-stellten Grundsätzen vorzunehmen.

Rürup-Rente:
Im Unterschied zur Riesterrente fördert der Staat bei der Rürup-Rente den Versicherungsnehmer nicht durch die Gewährung von Zulagen, sondern durch Steuervorteile in Form des Sonderausgabenabzugs der Beiträge. Daher können in der Einzahlungsphase die Beiträge als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Dafür müssen allerdings mehrere Kriterien erfüllt werden; die wichtigsten sind: Personenidentität zwischen Beitragszahler, der versicherten Person und Leistungsempfänger sowie die Auszahlung als monatliche Leibrente (nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres). Die Rürup-Rente ist daher als kapitalgedeckte Leibrentenversicherung zu verstehen.

Die Auszahlung der Rente ist steuerpflichtig, allerdings angelehnt an die Besteuerung der gesetzlichen Rente. Somit muss nur ein bestimmter Prozentsatz des Auszahlungsbetrages versteuert werden (in 2016: 72 %).

Hinweis: Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll nur einen Überblick liefern. Die konkreten steuerlichen Auswirkungen sind immer vom Einzelfall abhängig.

Gelesen 2340 mal