Positives aus Osnabrück

„Wir haben den Rücken frei“


VfL Osnabrück ab sofort schuldenfrei
Von Johannes Kapitza und Harald Pistorius
 
VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend, Präsident Hermann Queckenstedt und Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Becker (von links) informierten am Dienstag über den erfolgreichen Entschuldungsprozess. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Erleichterung beim VfL Osnabrück: Der vorläufige Schuldenschnitt mit Besserungsvereinbarung ist von allen Seiten abgesegnet worden. Damit ist die Stadion KG um rund zehn Millionen Euro vorläufig entschuldet worden, die Spielbetriebs-KGaA gewinnt durch die Einführung einer variablen Stadionpacht wirtschaftlichen Spielraum.


Am Montag sei die entscheidende Mitteilung der Finanzverwaltung eingetroffen, dass keine Steuern auf die Sanierungsgewinne anfallen, die durch den vorläufigen Schuldenschnitt in der Bilanz entstehen. Das sagte Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Becker am Dienstag auf einer Pressekonferenz des Fußball-Drittligisten. Die Steuerfreiheit war der letzte Mosaikstein, der gesetzt werden musste, um den Sanierungsprozess fortsetzen zu können. Andernfalls wären Steuern von schätzungsweise rund drei Millionen Euro angefallen. „Es macht keinen Sinn, dass bei einer Entschuldung drei Millionen neue Schulden entstehen.“ Die Frage der Steuerpflicht sei „ein absolutes K.-o.-Kriterium“ im Entschuldungsprozess gewesen.


Der VfL gewinne durch den vorläufigen Schuldenschnitt „Handlungsfreiheit, um Zukunft gestalten zu können“. Becker packte die Lage des VfL in ein Bild: „Wir waren ein Schwimmer auf dem offenen Meer. Die Schulden von rund zehn Millionen Euro waren ein Mühlstein, der uns immer wieder nach unten gezogen hat. Diesen Mühlstein sind wir jetzt los.“ Die Entscheidung des Stadtrates im Mai 2015 sei eine „weichenstellende Entscheidung“ gewesen, dass nun „eine Lösung gefunden ist für den Schuldenberg, den wir aus der Vergangenheit mitgeschleppt haben“. Die Verbindlichkeiten der Spielbetriebs-KGaA gegenüber der Stadion-KG in Höhe von rund 520000 Euro (Stand 31. Dezember 2015) sind vom Schuldenschnitt nicht betroffen und müssen nach wie vor abgetragen werden. Die Entschuldung sei ein „sehr, sehr bedeutender Schritt. Ich freue mich sagen zu dürfen: Der VfL ist wieder da“, sagte Becker.


„Seit heute haben wir den Rücken frei“
„Seit heute ist die Entschuldung durch. Seit heute haben wir den Rücken frei“, freute sich Präsident Hermann Queckenstedt. Das Vertrauen, das die Gläubiger dem Verein mit ihrem Verzicht entgegengebracht haben, sei „eine enorme Verpflichtung für uns“, sagte der Präsident. Queckenstedt dankte sowohl den Gläubigern für ihr Entgegenkommen als auch den handelnden Personen wie Aufsichtsratsvorsitzendem Olaf Becker und Geschäftsführer Jürgen Wehlend, die „in einem Kraftakt diesen Kompromiss verhandelt haben“. Der Schuldenschnitt sei ein großer Vertrauensbeweis für den Verein.

Aufsichtsratsvorsitzender Becker: Konstruktive Gespräche
Becker lobte, dass die „zähen und langwierigen Verhandlungen“ mit Stadt, Sparkasse, Landkreis und Land Niedersachsen immer konstruktiv verlaufen seien. Außer der Stadion KG ist auch der Breitensport-e.V. entschuldet. Zudem entfällt die Patronatserklärung, die im Zuge der Ausgliederung des Profifußballs für eine finanzielle Verflechtung zwischen Spielbetriebs-KGaA und Verein gesorgt hatte. Durch die Besserungsvereinbarung ist der VfL verpflichtet, „dass wir nicht die Fehler der Vergangenheit machen, wo man deutlich über seine Verhältnisse gelebt hat“, sagte Becker.

Geschäftsführer Wehlend: Meilenstein erreicht
Nach „Unmengen an Arbeit“ sei ein „Meilenstein erreicht“, sagte Geschäftsführer Jürgen Wehlend am Dienstag. Die Schuldenfreiheit sei „eine Grundlage für die infrastrukturelle Entwicklung des Vereins“ und eine Voraussetzung, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingunen für einen sportlichen Erfolg schaffen zu können. Nur mit dem sei auch wirtschaftlicher Erfolg und ein nachhaltiges Wirtschaften möglich.

Lizenz für 3. Liga und 2. Bundesliga eingereicht
Bekannt gab der VfL auch, dass die Lizenzunterlagen für die 3. Liga sowie die 2. Bundesliga beim DFB eingereicht sind. Den fristgerechten Eingang habe der Verband am Dienstag bestätigt. Bei einer weiteren Saison in der 3. Liga plant der VfL mit einem Etat von 8,75 Millionen Euro (3,4 Millionen Euro im Spieleretat) sowie einem Schnitt von 9000 Zuschauern. In der 2. Bundesliga rechnet der VfL mit einem Schnitt von 12000 Zuschauern. Zur Höhe des Gesamtetats wollte sich Geschäftsführer Wehlend nicht äußern.

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