Altersvorsorge - Teil 1 Featured

Lebens-/ Rentenversicherung

Lebensversicherungen mit Kapitalwahlrecht sind in Deutschland seit Jahrzehnten eine tragende Säule der privaten Altersversorgung. Steuerlich durch den Sonderausgabenabzug der Beiträge begünstigt, wurden solche Verträge in den letzten Jahrzehnten millionenfach abgeschlossen. Aber welche steuerlichen Folgen treten ein, wenn das Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit erreicht ist? Ist die Kapitalabfindung steuerpflichtig oder wären nur die laufenden monatlichen Rentenzahlungen zu versteuern? Und wenn ja, in welcher Höhe? Auf diese Fragen finden selbst gewiefte Steuerrechtler nur selten auf Anhieb eine eindeutige Antwort.

Wir wollen mit diesem Beitrag versuchen, etwas Transparenz zu schaffen. Im ersten Teil des Beitrags „Steuerliche Behandlung von privaten Lebens-/Rentenversicherungen“ stellen wir Ihnen die Behandlung der Versicherungsverträge vor, die vor dem 01.01.2005 abgeschlossen wurden. Denn der Gesetzgeber hat für verschiedene Fallgruppen entsprechend verschiedene Besteuerungsgruppen gebildet, die sowohl Ein- als auch Auszahlungsphase betreffen.

Private Lebens-/ Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht; Abschluss vor 01.01.2005:
Die Beiträge in der Einzahlungsphase können zu 88 % als Sonderausgaben geltend gemacht werden, sofern der Vertrag eine Laufzeit von mindestens 12 Jahren aufweist, davon mindes-tens 5 Jahre regelmäßig Beiträge gezahlt wurden und die Lebensversicherung eine Todesfallabsicherung in Höhe von mindestens 60 % der gesamten Versicherungssumme aufweist. Die Auswirkung wird aber durch die Höchstbeträge (1.900 € für Angestellte, 2.800 € für Selbständige) begrenzt, in die alle sonstigen Vorsorgeaufwendungen, die keine Basisabsicherung sind, miteinfließen.

In der Auszahlungsphase gilt: Wird die Einmalauszahlung gewählt, ist die Auszahlung gänzlich steuerfrei. Ebenso ist die Auszahlung im Todesfall steuerfrei, auch wenn dieser vor Ablauf der 12 Jahre eintritt.
Bei der Auszahlung als Rente muss der im Auszahlungsbetrag enthaltene Ertragsanteil (abhängig vom Alter) versteuert werden. Selbiges gilt, wenn die o. g. Voraussetzungen (12 bzw. 5 Jahre) nicht vorliegen.

Private Lebens-/ Rentenversicherung ohne Kapitalwahlrecht; Abschluss vor 01.01.2005:
Die Beiträge in der Einzahlungsphase können, sofern die o. g. Voraussetzungen vorliegen, zu 100 % als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Auch hier ist der Abzug begrenzt durch die Höchstbeträge.

Die Auszahlung der Versicherung als Rente und führt zur Besteuerung des im Auszahlungs-betrag enthaltenen Ertragsanteils (vgl. oben).

Beispiel:
A (65 Jahre, durchschnittlicher Steuersatz 30 %) bekommt im Jahr 2016 seine Lebensversi-cherung (Abschluss 2002 mit Kapitalwahlrecht, Laufzeit 12 Jahre, 12 Jahre Einzahlung) mit einem Barwert von 100.000 € ausgezahlt. Die Versicherung bietet ihm die einmalige Kapitalauszahlung von 100.000 € an oder alternativ die Zahlung als lebenslange Rente mit einer Auszahlung von beispielsweise 500 € im Monat.

Lösung:
Welche Alternative A wählen sollte, hängt zum einen von der persönlichen Situation (Le-benserwartung, Gesundheitszustand) als auch von der steuerlichen Situation (Steuersatz, Höhe der übrigen Einkünfte u. a.) ab.
Die Einmalauszahlung der Rente führt bei A zu steuerfreien Einnahmen.

Bei der Auszahlung als Rente muss bei einem Alter von 65 Jahren ein Ertragsanteil von 18 % versteuert werden: 500 € x 18 % Ertragsanteil x 30 % Steuersatz (Annahme) = 27,00 € pro Monat.
Statistisch hat A eine Lebenserwartung von noch rd. 17,5 Jahren.

500 € x 12 Monate x 17,5 Jahre =                           105.000 €
abzgl. Steuer: 27,00 € x 12 Monate x 17,5 Jahre =        5.670 €
Nettoverbleib bei Rentenauszahlung:                          99.330 €

Unter dem Strich würde eine Auszahlung als Rente trotz Steuern dann Sinn machen, sofern er seine Lebenserwartung übertreffen sollte.

Hinweis: Die vorstehenden Rechenbeispiele sind lediglich beispielhaft und beruhen auf An-nahmen. Die konkrete Ermittlung der steuerlichen Auswirkungen im individuellen Einzelfall kann nur auf der Grundlage realer Werte erfolgen.

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